An manchen Tagen fühl ich mich wie die Erde selber…

An manchen Tagen wach ich auf und fühl mich wie die ganze Erde selber. Ich spüre die Verzweiflung der Menschen im Jemen, die wegen Bürgerkrieg hungern. Die Hilflosigkeit und den Überlebenswillen der Menschen, die in Flüchtlingslagern ausharren, unter unvorstellbaren Bedingungen. Ich spüre die Hingabe, mit der lachende Kinder an einem Strand und in ihren selbstgebastelten Höhlen im Kinderzimmer spielen. Ich spüre die Überforderung von Müttern und Vätern und Kindern, in dem viel zu kleinen Wohnräumen, samt homeschooling und homeoffice. Ich spüre die Kreativität und Liebe, mit der Menschen füreinander Besorgungen erledigen und sich freudvoll unterhalten. Ich spüre den Aufschrei über die Abholzung des Regenwaldes, weil die, die den Räubern üblicherweise Einhalt gebieten, wegen Covid 19 nicht arbeiten dürfen. Ich spüre das Aufatmen vielen Menschen, und auch das Aufatmen als Erde, in dieser Entschleunigung und Einschränkung. Ich spüre die Einsamkeit der Menschen, die nicht besucht und umarmt werden dürfen von ihren Liebsten. Ich spüre das tiefe Sehnen nach einem Würdevollen Leben und Sterben.

Ich spüre das Staunen und Glück vieler Menschen, die jetzt nach sehr langer Zeit erstmals wieder die Möglichkeit haben, sich tief mit ihrer wahren Natur zu verbinden. Ich spüre Menschen, die den Herzschlag des Frühlings so bewusst wahrnehmen, wie schon lange nicht mehr. Und die Natur ihre größte Kraftquelle sein darf. Ich spüre die Angst vieler Menschen vor der Zukunft, die sie aus dem JETZT vorherzusehen glauben. Nicht mehr wissend, dass es 999 weitere Möglichkeiten der Zukunft gibt, die aus der Kraft des JETZT gestaltet werden können.

Ich spüre das Erwachen von Menschen mit einem neuen Selbstverständnis und Selbstvertrauen, an einer Zukunft mitzugestalten, die ein gutes erfülltes Leben für Alle ermöglicht. Ich spüre das wache Abwägen, was in diesem Moment wirklich wirklich gebraucht wird und zu tun ist, um dadurch ausreichend Energie für diesen jeweiligen Moment zu haben. Das wache Hinspüren, was nährt meine Energie und was schwächt sie. Und sich für das Nährende entscheiden. Ich spüre eine Hingabe ans Leben, die weite Kreise in die Herzen vieler anderer Menschen zieht. Ich spüre, wie die Liebe zu mir und zwischen den Menschen mehr wird. Die Glückseligkeit einer gelingenden Beziehung. Wie viele Menschen diese Freude, die in der Luft liegt, zu ihrem Alltag machen. Wie sie gelassen, weise und wie selbstverständlich ihre Familien sorgsam durch die Krisen führen.

Ich spüre den Zusammenhalt und ich spüre die Trennungen und Ablehnungen. Ich spüre die Sorge und die scheinbare Sicherheit, die Möchte-Gern-Allmachtspolitiker auslösen.

Ich spüre die spirituelle R-Evolution, die ein tiefes NEIN sagt zu vielen Alltags- und Zukunftsszenarien und ein tiefes JA lebt, um das Milieu solcher Entwicklungen auszutrocknen. und damit ein lebensbefreiendes Milieu zu nähren. Diese R-Evolution ist für viele Menschen noch nicht sicht- und hörbar. Ich spüre das Verwirrte und diese unbeschreibliche Möglichkeit, die für die Gestaltung unseres JETZT vor mir liegt, in mir liegt…

Und dann steh ich auf und geh in den Hof. Der Kastanienbaum ist 260 Jahre alt, war also im Jahre 1760 ein kleines Pflänzchen. Was ist alles passiert in diesen 260 Jahren? Durch wieviele Krisen ist er gegangen? Durch wieviele wonnevolle Zeiten? Er ist in eine unbeschreibliche Schönheit und Größe gewachsen

Ein unbeschreibliches Lebensfühl durchfließt mich, meinen Köper… meine Seele wird noch weiter – und ich weiß: ja, ich bin die Erde. Und ich bin ein Teil von ihr. Und DU bist es auch, auf deine einzigartige Art und Weise. Ich bin eingebettet und ein Teil von einer schöpferischen Weisheit und einem Erfahrungswissen. Beides wird mein Verstand nie ganz verstehen und mein verwundetes Herz erfassen können.

Ich atme tief, weite mein Herz, das vom Schoß der Erde genährt und gehalten wird, spüre die Rückenstärkung all des Erlösten, das ich schon erfahren durfte, meine Verwurzelung in der Tiefe und Dunkelheit des SEINS. Ich spüre meine Krone, die sich aufrichtet, ausrichtet und leuchten will – und in ihrer Weite ein Zuhause für alles Verlorene dieser Welt sein mag.

Ich erinnere mich, dasss der Tod ein Tor zu Liebe ist – und das Leben hier beglückend und umfassend gelebt und ausgekostet werden will. Ich erinnere mich…an die viele Arbeit, die auf mich wartet, mein Ruhebedürfnis, meine gewachsene Sensitivität….und gehe jetzt in die Küche, um eine Freundin, die im Krankenhaus liegt, anzurufen.

Ich richte mich aus, nicht erst in 260 Jahren so voller unbändiger Lebenskraft zu sein, wie dieser Kastanienbaum. Ich will jetzt mit der Kastanie diesen heiligen Lebens- Raum halten, was auch immer rundherum tobt.

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