Der eigenen Vision treu geblieben – die Glück-Bio-Hofbäckerei

Wie eine kleine Mühlviertler Hof-Bäckerei in einem Industrie-Umfeld ihren Werten treu bleibt

Dicke Schneeflocken tauchen das viele, hügelige Land in eine weiße Märchenlandschaft, als wir im Jänner 2021 den Mauracher Hof in Sarleinsbach für ein Interview besuchen fahren.

Schmuck und alleine steht er dann da: der Hof, der 1625 erstmals erwähnt und vor einigen Jahren umfassend renoviert wurde.  Der Begründer des Biobetriebes Josef Eder, sein 31 jähriger Sohn Andreas Eder, seit kurzem Co-Geschäftsführer und die Marketingfrau Martina Hamberger begrüßen uns am großen Bauerntisch  in der geräumigen Stube. Hier werden (wenn es keine Lockdowns gibt) Gruppen und Gäste empfangen. Derzeit verbringen Mitarbeiter*innen auch ihre Pausen hier.

Der Hoferbe Josef Eder hatte 1980 gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth die Vision, die traditionelle Landwirtschaft auf Biobetrieb umzustellen. Das sind sie heute noch. Der Wert des Lebendigen sitzt ihm tief in den Zellen, dafür brennt er – das sprüht aus jeder seiner Geschichten, die er vom Leben und Wirtschaften erzählt! „Ich muss es als Ganzes begreifen,“ weiß Josef Eder. Dafür geht er  auch mal nach Brüssel und Turin, engagiert sich in verschiedensten nationalen und internationalen Gremien und Verbänden, verlässt sie wieder, wenn sie nicht ausreichend dem Lebendigen dienen. „Das ist der Mut zum Leben in den Mitteln. Gspüren und tun und nicht drausbringen lassen“ ist seine Haltung. So bleibt er fast stur an seiner Vision dran, echt zu bleiben und gleichzeitig wichtige Entwicklung mit zu gestalten.

Aus der Biolandwirtschaft wurde innerhalb kurzer Zeit, durch verschiedene Umstände, eine Bio-Hofbäckerei. „Die Mama hat in den  60er/70er Jahre noch das bäuerliche Brotbacken gepflegt. Das Mehl dafür – das typische „Mühna-Mehl“ – wurde selber gemahlen. Es wurde dann u.a. an Lehrer*innen,  Ärzt*innen, verkauft. Die haben fair  bezahlt und Wertschätzung gegeben. Das Brotbacken hat einen Wert gehabt in der Familie. Wir hatten Glück, dass das traditionelle Wissen des Brotbackens über Generationen weitergegeben wurde. Meine Frau Elisabeth hat es übernommen und mit unserem Team bis heute ständig weiterentwickelt.  „Wir haben geübt, harmonisch zusammenzuspielen. Wir sehen uns nicht als Firma, sondern als Hof.“

Somit backen sie seit knapp 40 Jahren hochwertigste Bio-Brote und Bio-Gebäck. Aktuell werden mit 75 Mitarbeiter*innen 30 verschiedene Brotsorten hergestellt, darüber hinaus Kleingebäck und Mehlspeisen, diese werden im österreichischen und bayrischen Biohandel verkauft. 

Sie arbeiten mit teilweise selbstentwickelten technischen Lösungen, die ihren individuellen Anforderungen und hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden. Ein wesentliches Kriterium ist, dass das Getreide direkt vor der Verwendung gemahlen wird und zwar genau die Menge, die es jetzt braucht. Das geht auf fast den Deka genau! Auch das Beheizen der Öfen ist ein kreislaufbasierendes Thema, die Öfen werden indirekt mit Holz aus der Region befeuert.

Was sind die Gründe, warum ihr Brot und Gebäck so gut ankommt?  Neben dem frisch gemahlenen Biogetreide, das zum Teil aus der eigenen Biolandwirtschaft kommt, spielt Zeit , Temperatur, das hofeigene Quellwasser und beste Rohstoffe eine besondere Rolle.

Das Mauracherbrot ist ernährungswissenschaftlich getestet.  „Weil ihr Expert*innen gebeten habt, es zu untersuchen?“ frage ich und denke mir „supa Marketingidee!“
„Nein, die sind auf uns zugekommen!“ erfahre ich. „Die Bekömmlichkeit und Verträglichkeit ist aufgefallen, sie sind zu uns gekommen und haben gefragt, wie machts ihr das?“  grinst Josef Eder.

Auch sie bezahlen einen hohen Preis, um das Ererbte zusammen zu halten, ist sich Andreas Eder, bewusst. Trotz des Erfolges ist es nicht leichter geworden. Die Wirkmächte der Industrie und Supermärkte fordern auch sie. „Unser größter Kostenanteil sind die Lohnnebenkosten, nicht der Lohn, nicht der Rohstoffanteil, obwohl wir nur höchste Qualitäten ankaufen“. 

Neue  Netzwerke mit anderen Pionier*innen geben ihnen Mut und Durchhaltevermögen. Josef´s Grundprinzip: „Ich habe nix angefangen, was nur ich alleine kann. Wenn da nicht auch jemand anderer  ist, der sich auskennt und das weiterführen kann, mach ich das nicht. Sobald man was gestartet hat, wird man getragen,“ erlebt Josef Eder.

„Was wir  machen hat einen Wert für die nächste Generation. Wir reden nicht  nur davon, sondern leben es auch. Ich spüre heute eine Sehnsucht nach Echtheit in unserer Gesellschaft.
Auch ich hab von einem Altbauern gelernt: Wenn ich mit ihm auf den Feldern unterwegs war, habe ich einzigartige Einblicke und Sichtweisen kennen gelernt. Nämlich über die Zusammenhänge der Pflanzen. Er hat mir gezeigt: was hat unser heutiges Tun für eine Wirkung auf morgen?“ erzählt Andreas Eder.Generationenwissen hat einen hohen Stellenwert für mich. Wissen um Naturgesetze und gegenseitige Achtung  – auch zur Natur. Ein Professor an der Boku hat mal gesagt: je mehr wir über den Boden wissen, desto mehr merken wir, dass wir nix wissen.“


Wenn sie sich was wünschen dürften – für ihr weiteres Wirken hier am Hof – was wäre das, frage ich?

„Gesundheit und Jeder gesunde Tag ist ein Segen“ höre ich. Andreas setzt noch dazu: „Ich will die Begeisterung in mir spüren und Werte weitergeben. Ich will abends, wenn ich den Tag reflektiere, spüren, dass meine Betätigung einen Wert und einen Sinn gemacht hat! Ich will glücklich sein!“

Der Vision der Eltern wird wohl auch er – mit seinem Team –  treu bleiben.

Veronika Victoria Lamprecht, Feber/März 2021

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