Mehr Lebenskraft durch Abschlussrituale

Ernteschnitt

Gute Abschlussrituale auch in Unternehmen schenken mehr Lebenskraft. Sie erlauben nochmals hinzuschaun, was ist gut gelaufen und was nicht. Dadurch wird Dank möglich und vielleicht sogar Verzeihen. Eine Person, die das Unternehmen verläßt, kann nochmals Wertschätzung bündeln und somit eine kraftvolle, gute Erinnerung an die Firma ins Neue mitnehmen. Für die Menschen, die zurück bleiben, ist es möglich, nochmals bewusst Dank und Wertschätzung auszudrücken und offene Fragen abzuklären oder endgültig fallen zu lassen. Dadurch wird auf beiden Seiten mehr Lebenskraft frei – die für das Neue zur Verfügung steht.  Zum einen ist es wie ein bewusstes Ernten: das, was bisher gelebt, gearbeitet, geschaffen wurde, zu sehen und die Fülle und das Gelernte darin zu erkennen und dafür dankbar zu sein. Gleichzeitig setzt es einen bewussten Schnitt und macht damit Energie und Lebenskraft frei für das Neue, auch wenn es noch unbekannt ist. Ähnliches gilt für den guten Abschluss von Projekten, auch wenn sie gescheitert sind!

Sehr anschauliche Beispiel für die Wichtigkeit von guten Abschlüssen im Unternehmen sind im aktuellen Buch „Natürlich erfolgreich – leben und wirtschaften nach dem GAIA-Prinzip“ zusammengestellt. Hier ein Auszug von einem Abschlussritual nach einem gescheiterten Projekt:

„Es ging um ein Projekt, das von der Zentrale initiiert in mehreren Filialen durchgeführt werden sollte, begleitet von einem externen
Beratungsteam und einem internen Projektteam. Ich wurde als interne Beraterin für eine Reflexion der Situation angefragt.
Ziel sollte ein guter Abschluss sowohl für das Projekt selbst als auch für die beteiligen Menschen im Projektteam sowie
den verbliebenen externen Projektbegleiter sein. Die Beteiligten fühlten sich verantwortlich für das Scheitern des Projekts und
waren die Hauptleidtragenden der persönlichen Auswirkungen. In dieser Beratungssituation kam es mir darauf an, die hochemotionale
Situation so zu lenken, dass besprechbar wurde, was die Beteiligten noch in sich trugen, ohne dass es in eine psychologische
Intervention abrutschte. Meine externe Co-Beraterin ist erprobt darin, die dafür nötige Distanz zu halten, was mir selbst als
interner Beraterin nicht durchgehend gelingt, weil ich die Personen und Situationen zu gut kenne. Wir vereinbarten im Vorfeld mit dem Projektleiter, die Veranstaltung als Ritual zu gestalten mit einer Gesamtdauer von vier Stunden. Der Ablauf wurde gemeinsam entwickelt, die Aufgaben gut verteilt.
Den Beginn machten wir damit, dass alle Beteiligten sich nicht in der großen Runde mitteilten, sondern jede Person für sich selbst
reflektierte, was von diesem Projekt für sie übrig geblieben und noch spürbar war. Alle wurden eingeladen, anhand von Leitfragen das gescheiterte Projekt in wichtigen Stationen Revue passieren zu lassen und sich dazu Notizen zu machen. Diese Notizen wurden dann, mit oder ohne Worte, wie sie selbst wollten, nacheinander vor aller Augen in einem Kessel verbrannt. Die Asche schütteten wir gemeinsam in den Fluss, der in unmittelbarer Nähe des Gebäudes fließt. Abschließend machten wir noch eine Reflexion mit der Frage: Was hat dieses Ritual, diese Veranstaltung für dich verändert?
Die Rückmeldungen waren sehr positiv; eine Teilnehmerin weinte und lachte dabei erleichtert. Auch diejenigen, die vorher ohne Worte ihren Aufschrieb verbrannt hatten, sagten jetzt einige Sätze. Eine Person, die ich bisher immer als sehr sachlich und persönlich zurückhaltend wahrgenommen hatte, zeigte sich gefühlsbetont und sagte, dass das richtig gut war, das hätte gefehlt und er wusste es vorher nicht, erst jetzt sei das alles für ihn wirklich abgeschlossen.
Mit diesem relativ kleinen Impuls und den unterstützenden Fragen wie „Was lasst ihr dort? Was nehmt ihr an Erfahrungen
mit?“, war es möglich, aus diesem verworrenen Geflecht von Verletzungen und Schuldzuweisungen herauszufinden. Alles durfte
sein und dadurch konnte beendet werden, was noch im Raum stand. Das Projekt war wirklich abgeschlossen. Noch Jahre danach
sprachen mich Beteiligte darauf an und erzählten, wir schön das gewesen war: „Endlich mal ein richtig abgeschlossenes Projekt!“
Claudia S., Organisationsberaterin, Berlin

Ein Basiskurs, in dem das Entwickeln und Leiten von Ritualen gelernt werden kann, findet im Okt. und Nov. 2018 in der GAIA-Akademie im Schloss Eschelberg bei Linz/OÖ statt. Auch im Lerngang „Weg der Königin“ ist in einem Modul die Entwicklung eines konkreten Unternehmensrituales vorgesehen. Der vierte Lerngang startet im April 2019, Anmeldungen und weitere Infos jederzeit möglich!

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